Presse

Südkurier 13.04.2021

Nach zwei Monaten darf Corinna Maier ihr Kind mit nach Hause nehmen – „Ich hatte Angst“

Wenn ein Kind zu früh geboren wird, sind die Ängste oft unerträglich. In Zeiten von Kontaktbeschränkungen ist es für die Frühchen-Eltern oft schwerer, Nähe zu ihrem Kind in der Klinik aufzubauen. Und auch nach der Entlassung ist der Alltag nicht immer leicht. Der Verein „Der Bunte Kreis“ begleitet sie in dieser Phase.

Corinna Maier (links) und ihre Tochter Mathilda, die die ersten zwei Monate auf Frühchen-Intensivstation des Schwarzwald-Baar-Klinikums verbrachte. | Bild: Daniela Biehl/Corinna Maier

Matilda bedeutet Macht (maht) und Kampf (hiltja). Es bedeutet „mächtige Kämpferin.“ Und Matilda, die als Frühchen zur Welt kam, musste sich in den ersten Wochen durchs Leben kämpfen.

Man kann nur erahnen, wie es für ein so kleines Wesen ist, vom geschützten Bereich des Bauchs ganz plötzlich auf einer großen, cleanen Intensivstation zu landen. Und doch hatte Matilda von Anfang an: „Einen enormen Willen und ein Selbstbewusstsein“, sagt ihre Mutter, Corinna Maier.

Sie wog so viel wie ein Pfund Mehl

Auf ihrem Handy scrollt sie durch ein Dutzend Fotos, die in den ersten Wochen nach der Geburt entstanden sind. Es sind intime Einblicke, in den Klinikalltag mit Frühchen während der Corona-Pandemie, als Besuche nur nach strengen Regeln möglich waren. Und jedes Bild, jeder Moment mit Matilda, dafür umso kostbarer war.

Auf einem Foto liegt Matilda im Inkubator auf der Neugeborenen-Intensivstation des Schwarzwald-Baar Klinikums. Sie ist winzig klein, die Haut noch feuerrot. Mit Händen, die nicht viel größer sind, als die Daumen eines kräftigen Erwachsenen. „Sie wog da kaum mehr als ein Pfund Mehl – 740 Gramm“, sagt Maier.

Auf einem anderen sieht sie aus, als würde sie schlafen. „Dabei hatte Matilda sich da gerade von ihren Beatmungsschläuchen befreit.“ Corinna Maier sagt, sie habe da schon gespürt, „dass die Kleine ganz genau weiß, was sie will. Und dass sie es sich zutraut, selbst zu atmen.“

Matilda auf der Neugeborenen-Intensivstation des Schwarzwald-Baar Klinikums. | Bild: Corinna Maier

Wie gut sie gewachsen sei, sagt sie und nimmt Matilda, mittlerweile ein Jahr alt, auf den Schoß. „Ist sie nicht schön!“ Ihr gegenüber sitzt Ulrike Moosmann, die als Kinderkrankenschwester und „Case Managerin“, wie sie sagt, mit den Verein „Der Bunte Kreis“ Frühchen, chronisch kranke Kinder und ihre Eltern in der sozialmedizinischen Nachsorge betreut. „Ein unheimlich wichtiges Angebot“, meint Maier, obwohl sie es anfangs gar nicht nutzen wollte. Weil es in das Bild passte, dass sie von sich hatte. „Ich brauche doch keine Hilfe, habe ich gedacht.“

Der Bunte Kreis und die Frühchen

Info Box

Eine Schwangerschaft dauert im Normalfall etwa 40 Wochen. Kommen Babys vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt, spricht man von einem Frühchen. Der „Bunte Kreis“ hat seinen Sitz an den Kinderkliniken in Villingen-Schwenningen und Singen. Er bietet Frühchen-Eltern und ihren Kleinen, aber auch schwer kranken Kindern und Jugendlichen, eine familienorientierte und sozialmedizinische Nachsorge. Mit dem Ziel: Die Familien von der Klinik über die Entlassung nach Hause zu begleiten. Weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten unter: www.bunterkreis-lebengeben.de


Schließlich habe sie schon ein Kind, einen neunjährigen Sohn, und wusste, was nach der Geburt auf sie zukomme. Schließlich ist sie eine resolute Frau. Die mit ihrem Mann gerade ein Haus gebaut hat. Und mitten in der Corona-Pandemie, in den letzten Schwangerschaftswochen und ihrer ersten Zeit als Mutter, noch schnell einen Umzug stemmte.

Sie sei eben eine, die Verantwortung übernehme. Und funktioniere. Anfangs wollte Corinna Maier das Angebot vom „Bunten Kreis“ gar nicht nutzen. Heute sagt sie. „Durch den Bunten Kreis ist man einfach nicht allein. Und fühlt sich sicherer, weil noch jemand da ist.“

Das tat sie, bis Matilda nach zwei Monaten aus der Klinik nach Hause kam und Maier merkte, was viel sie geleistet hatte. Sie sei fast in ein Loch gefallen, war am Rande ihrer Kräfte.

„Dass du da warst, tat gut“, sagt sie zu Ulrike Moosmann. Mit der Kinderkrankenschwester konnte sie reden. Darüber, wie es sich anfühlte, in der 28. Schwangerschaftswoche auf den Ultraschall-Monitor zu blicken und nicht begreifen zu wollen, dass Matildas Herztöne ständig aussetzten. Darüber, wie sich Sorgen und Ängste in ihren Alltag schlichen

„Es war wie ein Arbeitsschritt“

Die Sorge etwa ihr Kind könnte als Frühchen, nach einem Notkaiserschnitt, mit einer Behinderung zur Welt kommen.

Und auch darüber, wie es war, nach der Entlassung aus der Klinik, jeden Tag zurückzufahren und Matilda nur kurz sehen zu können. Weil die Besuchszeiten coronabedingt eingeschränkt waren und nur ein Elternteil bei ihr sein durfte.

Die Zeit beschreibt Corinna Maier in einem trockenen Satz: „Es war wie ein Arbeitsschritt.“ Zuhause habe sie die Milch für Matilda abgepumpt, sei in die Klinik gefahren und schlussendlich wieder Heim. „Matilda weiß ganz genau, was sie will“, sagt Corinna Maier. Von Anfang an habe sie „einen enormen Willen gehabt.

Wie es für sie war, in dieser fremden Umgebung, zwischen piepsenden Monitoren – und mit so kurzen Besuchszeiten – Nähe zu Matilda aufzubauen?

Maier überlegt einen Moment und sagt dann: „Es sind die kleinen Momente, die zählen.“

Etwa als sie Matilda in regelmäßigen Abständen auf die Brust gelegt bekam. Känguruhen, nennen Kinderkrankenschwestern wie Moosmann das. Weil die Frühchen, gut zugedeckt, wie im Beutel eines Kängurus, geborgen liegen und die vertraute Körperwärme, den vertrauten Herzschlag, spüren. Auch Maier empfand damals ein starkes Glücksgefühl.

Wenn es mit den Stillen nicht klappt

Doch eine Sorge blieb. „Matilda nicht stillen zu können.“ Dabei war sie doch so zart. Sollte wachsen und stärker werden. „Ich hatte Angst, dass sie nicht zunimmt.“ Eine Sorge, die Ulrike Moosmann von vielen Eltern kennt, deren Babys zu früh auf die Welt gekommen sind. „Es ist oft ein Teil der Nachsorge, eine gelingende Stillbeziehung zu fördern“, sagt sie.

Matilda ist gerade ein Jahr geworden. Und weil ihr älterer Bruder oft im Stehen mit ihr spielt, will sie im Augenblick vor allem eins: selbst stehen und gehen zu können. „Sie hat sich gut entwickelt“, sagt Corinna Maier. Bild: Corinna Maier.

Moosmann weiß, wie holprig die erste Zeit nach Geburt, und die erste Zeit zuhause, für Frühchen-Eltern ist und will helfen, dabei nicht zu stolpern. Deshalb unterstützt und berät sie Eltern in dieser Phase.

Sie schaut regelmäßig nach den Kleinsten, beobachtet ihre Entwicklung, gibt Tipps – und hört zu. „Man ist einfach nicht allein. Und fühlt sich sicherer, weil noch jemand da ist“, sagt Corinna Maier. Die Gespräche mit Moosmann hätten ihr, rückblickend, am meisten geholfen.

Ulrike Moosmann ist für Frühchen-Kinder und Eltern da. Sie sagt: „Die Mütter will ich ein bisschen an die Hand nehmen.“ | Bild: Daniela Biehl

„Die Nachsorge geht meist über drei Monate. Das sind pro Familie dann ungefähr 20 Stunden an Hausbesuchen.“, sagt Moosmann. Eine Leistung, die seit 2010 auch von den Krankenkassen anerkannt und übernommen wird.

In manchen Fällen – wenn zum Beispiel ein Therapeut oder ein Augenarzt gebraucht wird – vermittelt der „Bunte Kreis“ auch an anderes Fachpersonal oder zu betroffenen Eltern. Denn nicht alle Frühchen entwickelten sich gut wie Matilda, sagt Moosmann. Ulrike Moosmann ist für Frühchen-Kinder und Eltern da. Sie sagt: „Die Mütter will ich ein bisschen an die Hand nehmen.“

Schon vor 14 Jahren, als der „Bunte Kreis“ sich langsam aufbaute, gehörte sie zum Team. Warum? „In der Klinik habe ich oft erlebt, wie zerrissen und erschöpft die Mütter sind.“

Zerrissen, weil sie sich meist noch um eine Familie, um ein Leben zuhause, kümmern mussten. Und erschöpft, weil – mit Frühchen – plötzlich viele ungeklärte Fragen im Raum standen. Und so manche Mutter nächtelang wach lag und nachdachte. „Für diese Mütter wollte ich da sein und sie ein bisschen an die Hand nehmen.“

Matilda war ein aufgewecktes Kind

Das Schöne für Ulrike Moosmann, die zu 40 Prozent im Schwarzwald-Baar-Klinikum auf der Frühchen-Station und zu 60 Prozent in der Nachsorge beim „Bunten Kreis“ arbeitet: Sie lernt die Kinder und deren Familien, die sie später begleitet oft schon in der Klinik kennen. Bei Matilda war das auch so.

„Und sie war schon da ein aufgewecktes Kind“, sagt die Kinderkrankenschwester.


Kinder veröffentlichen Musikvideo –Unbeschwert in schweren Zeiten

Schwarzwälder Bote 01.04.2021 – 17:00 Uhr

Sie freuen sich auf den nächsten Samstag: Dann veröffentlichen die Kinder des Geschwisterchlups des Bunten Kreises ihr Musikvideo.Foto: Chlup Foto: Schwarzwälder Bote
Sie freuen sich auf den nächsten Samstag: Dann veröffentlichen die Kinder des „Geschwisterchlups“ des Bunten Kreises ihr Musikvideo. Foto: Chlup Foto: Schwarzwälder Bote

Die Kinder des „Geschwisterchlups“ des Bunten Kreises haben am Samstag, 10. April, Großes geplant. Sie werden ihren eigenen „Geschwistersong“ mit Musikvideo veröffentlichen, den die Gruppe gemeinsam mit dem Sänger Cris Cosmo produziert hat.

VS-Villingen. Passend zum internationalen Tag der Geschwister am 10. April sei er fertig geworden und werde in den sozialen Netzwerken geteilt, freut sich Andrea Chlup.

Die Geschwisterbeziehung gilt als die längste Beziehung des Lebens und hat so einen großen Einfluss darauf, wer wir sind. Im Lied heißt es: „Wir sind verbunden, wie ein Twister, auch, wenn du mal unendlich nervst, ich bewunder‘ dich sehr.“ Pias Lieblingszeile aus dem Song, denn „genauso ist es bei mir und meinem Bruder.“

Pandemiebedingt kann sich die Gruppe seit November nicht treffen, und so hatte die Projektleiterin Andrea Chlup die Idee für ein Online-Projekt, wobei alle aus der Ferne aktiv werden können.

Die 15 Kinder verbindet, dass sie alle einen Bruder oder Schwester mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung haben. Viele sind bereits seit 2017 beim „Geschwisterchlup“ des Bunten Kreises dabei und treffen sich normalerweise regelmäßig zu Auszeiten, zu Ausflügen zum Klettern, Lamatrekking, Quadfahren, Adventure Golf, Taekwondo-, Rope Skipping- oder Koch-Workshop.

Die zwölfjährige Lisanne weiß, dass nicht alle Familien wie aus einer weichgespülten Werbung sind, aber alle ähnliche Probleme kennen. Jetzt, wo man sich nicht treffen kann, ist der Song wie eine Verbindung zu den anderen Familien. „Es ist okay in schweren Zeiten, ungetrübt zu sein, die Sorgen werden kleiner, Glück wird größer, wenn man’s teilt.“

Cris Cosmo kann momentan als Sänger nicht mehr live auftreten und schreibt Songs für verschiedene Auftraggeber, sogenannte Blitzsongs. Mit Kindergruppen hat er durch Musikworkshops an Schulen im In- und Ausland bereits Erfahrung und war sofort Feuer und Flamme, gemeinschaftlich und nach den Ideen der Kinder ein Lied zu produzieren.

Online haben sich alle Familien fleißig unterstützt und Ideen, Textbausteine und Fotos eingereicht, die ihren Alltag und ihre besondere Familiensituation beschreiben. Die Kinder haben den Refrain als Chorstimmen zuhause eingesungen und Gebärden zum Lied eingeübt.

Andrea Chlup ist stolz darauf, was entstanden ist und wie sich alle eingebracht haben. „Der Song bringt genau das zum Ausdruck, was wir im Geschwisterchlup erreichen und vermitteln möchten. Trost und Halt in der Gemeinschaft zu finden und gute Zeiten zu erleben, um die schlechten zu überstehen, wie es auch im Refrain heißt. Cris hat diesen Kern der Botschaft mit viel Feingefühl musikalisch übersetzt.“

Cris Cosmo ist begeistert über die Zusammenarbeit mit dem Geschwisterchlup: „Das Geschwisterlied ist für mich ein wunderschönes, herausforderndes Projekt, bei dem ich viel lernen durfte. Ganz ehrlich: Ich habe mir zuvor kaum Gedanken über die Geschwister von behinderten Menschen gemacht, die ja quasi einfach gesund sind. Darüber, dass sie als Kind immer schon viel erwachsener und verantwortungsvoller sein müssen, als andere Kinder in ihrem Alter. Dass sie damit aufwachsen, sich immer wieder zurücknehmen zu müssen“, so Cosmo. Und: „Ich war von den Zeilen, die die Kids als Input für den Song geschrieben haben, tief beeindruckt. Die Zeile, die mich von den Briefings der Kids am meisten berührt hat, ist: ›Ich wünsche mir manchmal die Probleme der anderen, die keine sind.‹ Es freut mich von Herzen, dass den Kids der Song so gut gefällt und dass ich ihren Gedanken eine Stimme und einen positiven Soundtrack geben konnte.“

Lisanne, zwölf Jahre alt, sagt: „Ich erkenne meine ­Gedanken in den Strophen wieder, und der Refrain ist wie eine Erlaubnis, Probleme loszulassen und zu tun, was mir gut tut.“

Kim, neun Jahre alt, ­findet: „Das Projekt ist so cool, weil ich Musik einfach liebe. Musik ist auch, was mich mit meinem Bruder verbindet.“

Joshua, zehn Jahre alt, findet es wichtig, dass Behinderung auch in der Musik Platz hat. Seinem Bruder Kian gefällt das Lied offensichtlich auch, „er strahlt über das ganze Gesicht, wenn das Lied läuft“.

Bei Pia, acht Jahre alt, läuft der Song zuhause rauf und runter, „ich fühle mich dabei cool“. Stolz macht die Kinder, dass der Song durch ihr Mitwirken so großartig geworden ist, dass er sogar auf das neue Album von Cris Cosmo kommt.


2.12.20 : Schwarzwald-Baar-Kreis: Eine Adventspause ganz speziell für Mütter, die im Stress sind | SÜDKURIER Online (suedkurier.de)

Heilpädagogin Andrea Chlup vom Verein „Bunter Kreis“ möchte mit ihrem Online-Adventskalender dafür sorgen, dass
Mütter sich mehr Pausen und eine Auszeit gönnen. | Bild: Bunter Kreis


„Mütter stecken oft so im Hamsterrad, dass sie vergessen, sich selbst auch mal eine
Pause oder eine kleine Auszeit zu gönnen“, berichtet Andrea Chlup vom Verein
„Bunter Kreis-Leben geben“. Der Verein bietet eine familienorientierte,
sozialmedizinische Nachsorge für Frühgeborene und schwer kranke Kinder und
Jugendliche. Während die Nachsorge der Frühgeborenen weiter stattfinden kann, sind
die speziellen Angebote, die Andrea Chlup für Geschwister von erkrankten Kindern
oder eben Mütter konzipiert hat, wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt. „Wir wollen
aber die Verbindung halten und die Mütter bei der Stange halten“, so Andrea Chlup.
So ist in ihr die Idee gereift, einen Online-Adventskalender zu entwerfen, der Mütter
jeden Tag daran erinnern soll, sich bewusst eine Auszeit zu nehmen. „Das können so
kleine Anregungen sein, wie sich einfach mal ein leckeres Getränk zuzubereiten und
dieses ganz bewusst zu trinken und zu genießen.“ Dahinter steckt das Wissen, dass
Mütter sich oft aufreiben und sie meistens ihre Bedürfnisse hinten an stellen. „Der
Adventskalender bietet die Chance, jetzt bis Weihnachten jeden Tag zu üben, sich
eine kleine Auszeit zu nehmen“,so Chlup. Wichtig ist es der Heilpädagogin, dass die
Frauen in sich hineinspüren, was ihnen gut täte. Die Überraschungen im OnlineAdventskalender sieht sie daher auch als Anregung: „Da kann jeder schauen, was für
ihn passt und ob man die Aufgabe oder die Idee abändern möchte.“
Andrea Chlup ist es so wichtig, auf diese Auszeiten und Pausen zu achten, weil gerade
Mütter sonst schnell gestresst sind und das übertrage sich auf die Kinder und so steigt
die Unzufriedenheit in der ganzen Familie.
Während Andrea Chlup im Sommer mit den Geschwisterkindern Treffen im Freien
abhalten konnte, ist dies jetzt auch nicht mehr möglich. „Uns sind da völlig die Hände
gebunden.“ Sie versucht den Kontakt jetzt mit Einzelterminen zu halten und betreut
so zwei Mütter von Frühchen und ein Kind ganz intensiv. „Die normale
Frühchenbetreuung läuft natürlich unter strengen Hygieneauflagen weiter.
Dieses Jahr habe der Verein mit seinem Team 113 Kinder in der Nachsorge betreut, die
zu früh geboren wurden.
Dipl. Heilpädagogin Andrea Chlup sagt: „Dieses Jahr waren alle Mamas über die
Maßen mit Care-Arbeit gefordert und vergessen über den ganzen Alltagsstress sich
selbst Pausen einzuplanen und ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Aus dieser
Idee heraus ist der Online-Adventskalender für Mamas entstanden, um die Mamas
täglich an eine Auszeit zu erinnern und konkrete Aufgaben und Ideen zur
Selbstfürsorge an die Hand zu geben.


29.11.20: Adventskalender fordert Mütter zu Pause auf

Villingen-Schwenningen: Adventskalender fordert Mütter zu Pause auf – Villingen-Schwenningen – Schwarzwälder Bote (schwarzwaelder-bote.de)

Andrea Chlup hat die Idee für den  Online-Adventskalender entwickelt.Foto: Chlup Foto: Schwarzwälder Bote

Ob Themen für die Familie, Impulse zum Innehalten, Anregungen zum Nachdenken oder Stimmungsvolles zur Vorweihnachtszeit: Voller Überraschungen steckt der Online-Adventskalender für Mütter. Die Aktion ins Leben gerufen hat der Verein Bunter Kreis – Leben geben, der am Schwarzwald-Baar-Klinikum Villingen-Schwenningen angesiedelt ist.

VS-Villingen. Der Verein Bunter Kreis – Leben geben bietet familienorientierte, sozialmedizinische Nachsorge für Frühgeborene und schwer kranke Kinder und Jugendliche, erklärt die Heilpädagogin Andrea Chlup, die sich um betroffene Eltern und deren Nachwuchs kümmert. Das Angebot richtet sich an ­Familien, deren Kinder mit hohem pflegerischen Aufwand aus den Kliniken nach Hause kommen.

Dieses Jahr habe das Team 113 zu früh geborene Jungen und Mädchen in der Nachsorge betreut, stellt sie fest. Ziel sei es, den Familien in dieser überfordernden Lebenssituation als Lotsen im Dschungel der neuen Aufgaben, sozialrechtlichen Hilfen und Fragen zur Seite zu stehen. „Wir begleiten die Familien aus den beiden Kinderkliniken Villingen-Schwenningen und Singen von der Entlassung bis nach Hause. Das Ziel der Nachsorge ist, dass den Familien trotz Erkrankung ihres Kindes das  Leben gut  gelingt“, schildert die Heilpädagogin das Einsatzgebiet.

Um alle Familienmitglieder auch nach der Akutphase zu unterstützen, habe sie mehrere Angebote konzipiert, die regen Zulauf finden und sich komplett über Spenden finanzieren. So gebe es beispielsweise zwei Geschwistergruppen in Villingen, um gesunden Kindern eine Auszeit zu ermöglichen, therapeutische Weiterbetreuung für Mütter von Frühgeborenen, Nachmittage für die gesamte Familie oder Treffen für Mütter unter dem Motto „Mamas stärken Mamas“.

Da viele Kinder Risikopatienten seien, müssten gerade die Gruppentermine wegen Corona ausfallen. Überhaupt seien viele Rituale im Advent, die einen in vorweihnachtliche Stimmung versetzen, in Zeiten der Pandemie nicht möglich, die Mütter zudem vor besondere Herausforderungen stelle. „Dieses Jahr waren alle Mamas über die Maßen mit Care-Arbeit ­gefordert, und sie vergessen über den ganzen Alltagsstress, sich selbst Pausen einzuplanen und ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen“, betont die Heilpädagogin. Aus dieser Idee heraus sei der Adventskalender „Meine tägliche Auszeit“ für Mütter entstanden, um sie täglich an eine Ruhephase zu erinnern und konkrete Aufgaben und Ideen zur Selbstfürsorge an die Hand zu geben.

Der Adventskalender ist unter https://tuerchen.com/fc8a0b4f im Internet zu finden. Ab 1. Dezember lassen sich nach und nach 24 Türchen öffnen, die Anleitungen zum Erspüren der eigenen Bedürfnisse ebenso enthalten wie Links zu interessanten Themen. „Viele der Impulse im Adventskalender entspringen den Erfahrungen aus der Empowerment-Arbeit mit den Müttern“, erzählt Andrea Chlup, die so trotz Teil-Lockdown den Familien nahe sein möchte. „Gönnt euch eine Pause vom Alltag und tankt ein bisschen Weihnachtsstimmung“, fordert sie die Frauen auf und ist sich sicher: „Für einen Adventskalender ist man auch als Mama nie zu alt.“

Weitere Informationen: unter Telefon 07721/93 49 61, E-Mail der.bunte.kreis@sbk-vs.de, im Internet auf der Homepage bunterkreis-lebengeben.de oder bei Facebook.


26.3.20 Singen erhält Spenden für das Projekt „Mamas stärken Mamas“


22.7.20 Lions Club hält an Spende fest trotz Absage von Nightgroove

Club-Präsidentin Sandra Rieger-Tränkle (Bildmitte) und Heimke Kastner (Zweite von links) überreichen die Spenden an ­Alexandra Willmann (von links) vom „Bunten Kreis“ sowie ­Hildegard Steinberger-Heitner und Ina Schmitz von „Frauen helfen Frauen“. Fotos: Wolf Foto: Schwarzwälder Bote

Villingen-Schwenningen. Am Ende überwiegt die Freude: Obwohl der Lions-Club Villingen-Schwenningen Mitte das Kneipen- und Musikfestival Nightgroove zusammen mit Veranstalter Michael Barkhausen für April schweren Herzens absagen musste, konnte der Club jetzt zwei Spenden an gemeinnützige Einrichtungen aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis überreichen.

„Alle Sponsoren des Nightgroove haben an ihrer Spende festgehalten“, erklärte Club-Präsidentin Sandra Rieger-Tränkle bei der Spendenübergabe in der Villinger Innenstadt. Für dieses besondere Engagement gebühre den Sponsoren großer Dank und Anerkennung. Zugleich dankte sie den Vertreterinnen der beiden Vereine für ihr ehrenamtliches Engagement für Frauen, Kinder und Familien in Ausnahmesituationen. „Sie leisten eine tolle Arbeit, die größten Respekt verdient“, so Sandra Rieger-Tränkle.

Jeweils 1450 Euro gingen an die Vereine „Frauen helfen Frauen“ und „Bunter Kreis“, für die die Zuwendungen in der aktuellen Situation besonders wertvoll sind.

„Wir können das Geld sehr gut gebrauchen“, sagte Hildegard Steinberger-Heitner vom Vorstand „Frauen helfen Frauen“. Seit die Corona-Auflagen gelockert wurden, sei das Frauenhaus voll.

„Oft benötigen wir Geld für spontane Besorgungen für die Frauen, für die Unterstützung bei Umzügen oder für die Kinder.“ Eine Herausforderung sei es auch, neue ­Unterkünfte für die Frauen zu finden, ergänzte Ina Schmitz, ebenfalls Mitglied des ­Vorstands. Anträge auf ­Fördermittel dauerten. „Bis das beantragte Geld kommt, helfen wir aus“, so Ina Schmitz.

Der „Bunte Kreis – Leben geben“ engagiert sich für Familien mit Frühgeborenen und Kindern mit angeborenen Erkrankungen und begleitet die Familien auf dem Weg von der Rundum-Versorgung in der Klinik ins eigene Zuhause, bietet Hilfe bei der Pflege und medizinischen Versorgung des Kindes daheim, aber auch mentale Unterstützung für die Eltern und Geschwister. Letztere geraten in der neuen, angespannten Familiensituation leicht in den Schatten. Daher ist es Alexandra Willmann ein besonderes Anliegen, die Bedürfnisse der Geschwisterkinder wahrzunehmen.

Die Spende des Lions-Clubs soll vor allem den Geschwistern zukommen – für Treffen mit Gleichgesinnten und Ausflüge. „Zuletzt waren wir gemeinsam klettern“, berichtet die Kinderkrankenschwester, die sich ehrenamtlich im „Bunten Kreis“ engagiert, und ergänzt: „Vor Corona, als es noch möglich war.“

Weitere Informationen: https://lc-vs-mitte.de


27.11.19 Finanzielle Unterstützung

Die Schwenninger Firma Sikla unterstützt das Geschwisterprogramm des Vereins „Bunter Kreis – Leben geben“ aus Villingen-Schwenningen. Sikla-Bereichsleiter Daniel Siotto (rechts) übergibt eine Spende in Höhe von 3000 Euro an Sozialpädagogin Christina Aschenbrenner (von links), Kinderkrankenschwester Ulli Moosmann und den Vereinsvorsitzenden Klaus Strasser.

4.11.19. Gemeinsam beim Taekwondo

Der Verein „Bunter Kreis – Leben geben“ war mit den Geschwistern behinderter Kinder beim Kampfsporttraining. Dort konnte man sich selbst neu kennenlernen.

Schwenningen. Als Geschwister eines Kindes mit Behinderung ist eine Auszeit manchmal bitter nötig. Sich auszupowern und Selbstvertrauen zu tanken kommt im Alltag häufig zu kurz. Das zeigte sich bei einem besonderen Treffen des Bunten Kreises am vergangenen Samstag.

Im VUK Taekwondo Club in Schwenningen erhielt die Geschwistergruppe des Bunten Kreises eine Trainingseinheit von der Deutschen Meisterin Nihal Kucan.

Nach einer Einführung in die Philosophie, die Regeln und die Ausrüstung des koreanischen Kampfsports mussten sich alle Kinder warmlaufen und gut dehnen.

Beim Taekwondo, so die Trainerin, versuche man den Gegner durch Hochkicks mit den Füßen auf Abstand zu halten. Für die spektakulären Tritte mit Drehungen und Schlagkraft aus dem Fuß benötigt man fast alle Muskeln des Körpers und muss seine Technik und sein Gleichgewicht gut trainieren. Die neun Taek-wondo-Novizen im Alter von sieben bis zwölf Jahren probierten verschiedene Kicktechniken gegen Schlagpolster und sogenannte Pratzen aus und begannen, richtig Spaß daran zu finden und auch Dampf abzulassen.

Zurückhaltende Kinder konnten sich hier mal stark und selbstwirksam erleben. Quirlige und Aufmerksamkeit suchende Kinder mussten lernen, ihre Energie konzentriert und gezielt einzusetzen um zu treffen.

Ein großer Spaß am Ende war das Anlegen der Schutzausrüstung für Kämpfe mit einem Gegner. Von Kopf bis Schienbein gepolstert, versuchten die Kinder den Oberkörper des Gegners bei einem Testkampf mit einem gezielten Kick zu treffen.

Quelle: Neckarquelle


6.10.19 Hilfe für kranke Eltern und Kinder

Der Bunte Kreis e.V. leistet wertvolle ehrenamtliche Arbeit und ist Betroffenen so eine große Hilfe. Von Niklas Trautwein

„Wenn werdende Eltern erfahren, dass ihr Kind ein Frühchen oder schwer krank wird, ist das ein Ausnahmezustand, der von jetzt auf nachher eintritt“, erklärt Christina Aschenbrenner, Sozialpädagogin beim Bunten Kreis – Leben Geben. Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team, außerdem bestehend aus Kinderkrankenschwestern, einem Kinderarzt und einer Psychologin bietet sie familienorientierte sozialmedizinische Nachsorge für Frühgeborene und schwer kranke Kinder und Jugendliche.

„Das Modell des Bunten Kreises stammt aus Augsburg“, erzählt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Dr. Klaus Strasser, Kinderarzt im Ruhestand. 15 Jahre nach der Gründung des Augsburg Modellvereins, wwar ein Bunter Kreis von Professor Dr. Werner Rosendahl in Villingen-Schwenningen gegründet worden.

Heute sitzt der Verein in der Kinderklinik des Schwarzwald-Baar-Klinikums und begleitet Familien in den Kinderkliniken VS und Singen. „Wir kümmern uns nicht nur um VS-Kinder, sondern auch um solche aus den Landkreisen Tuttlingen und Rottweil bis zum Landkreis Konstanz“, erklärt Strasser.

Zwar gebe es bundesweit viele Bunte Kreise, in den ländlichen Strukturen hier, sei der Standort im Zentralbereich jedoch für viele Familien der nächste, so Christina Aschenbrenner. 2018 betreute der Verein 130 Kinder. Bis zum 1. Oktober dieses Jahres, waren es 79. Der Bunte Kreis hat es sich zur Aufgabe gemacht mit den verantwortlichen Ärzten das weitere Vorgehen für die Versorgung der Kinder zu Hause zu planen und zu organisieren sowie Hilfe und Anleitung bei der Versorgung und Pflege des Kindes zu geben. Das stellen regelmäßige Hausbesuche und Telefonate mit den Eltern sicher. „Die Kinderkrankenschwestern und ich haben alle eine Ausbildung im Case Management“, erklärt Aschenbrenner.

Das Vorgehen sei bei jedem Kind einzelfallabhängig. Der Verein wird durch Spenden mitfinanziert und ist gerade in Jahren mit hoher Nachfrage sehr darauf angewiesen. Zwar zahlen manche Krankenkassen über einen kurzen Zeitraum für die stationäre Betreuung, bei einer Betreuung über zwölf Woche und 20 Stunden sowie Hausbesuchen, kommt aber der Verein auf.

Viele der betroffenen Familien sind aber auf diese Hilfe angewiesen. Vor elf Monaten ging es auch Katharina und Johannes Zuckschwerdt aus Schwenningen so. Ihre Tochter Eleonor kam drei Monate zu früh auf die Welt. Diese Zeit musste das Baby getrennt von seiner Mutter in der Brutstation der Kinderklinik verbringen, um zu überleben. „Es war sehr schwierig, das psychisch zu verarbeiten“, erzählt Katharina Zuckschwerdt.

Für ein Elternpaar sei eine solche Situation schwierig. „Auf der Intensivstation sieht man auch Kinder mit ganz anderen Schicksalen“, erzählt ihr Mann Johannes. Um diesen schwer kranken Kindern zu helfen, steht der Bunte Kreis auch in regem Austausch mit den Ärzten der Kinderklinik. „Der Schritt aus der Klinik nach Hause ist ein schwerer Schritt“, weiß die Sozialpädagogin Aschenbrenner.

Der Verein sei ihnen eine große Hilfe gewesen, seine Mitglieder ihnen gezeigt, was sie noch besser machen können, so Johannes Zuckschwerdt: „Das es Elli so gut geht, ist dem Team des Bunten Kreises zu verdanken.“ Der Bunte Kreis e. V. hat mit seinem sozialmedizinischen Angebot die ganze Familie im Blick. Das zeigt sich auch in seinem Programm für gesunde Geschwisterkinder, denen aufgrund des Zustands ihres kleinen Geschwisters weniger Aufmerksamkeit zukommt. „Das Ziel der Nachsorge ist es, dass den Familien trotz Erkrankung ihres Kindes das Leben gut gelingt“, sagt Aschenbrenner.


9.7.19 Strahlende Kinderaugen bei Quadausfahrt

Stolz sitzen die Quadkinder in Schabenhausen auf den Fahrzeugen.
Foto: Chlup
Foto: Schwarzwälder Bote

Niedereschach-Schabenhausen. Rund um Schabenhausen brummten laute Motoren und etliche Male brausten Quads über die Straßen. Was war denn das für ein Korso? Was wird hier nur gefeiert? Der Verein „Bunte Kreis – Leben geben“ veranstaltete in Kooperation mit den „Quadkindern Schwarwald-Baar/Hegau“ einen Nachmittag für die Familien des Geschwisterprojekts „Gemeinsam stark im Bunten Kreis“.

Zehn Familien mit 22 gespannten Kindern trafen sich am Grillplatz in Schabenhausen für ein Sommerfest. Ausfahrten mit Quads waren ihnen versprochen worden. Und was die Organisation rund um Andreas Hofelich und Jens Kölz verspricht, hält sie auch. Um 14.30 Uhr röhrte und vibrierte es und zehn Quads mit Fahrern aus Villingen, Rottweil, Freiburg und Konstanz fuhren im Korso ein. Die ersten mutigen Kinder waren schnell mit den Leihhelmen der Quadkinder und den blauen Warnwesen ausgestattet und schwangen sich selbstbewusst auf die Rücksitze. Nach einer Einweisung und kleinen Proberunde fuhren die Kinder ihre erste Soziusfahrt über Fischbach, Erdmannsweiler und Neuhausen. Bei der Rückkehr konnte man sehen, das Ziel des Tages hatte sich schon jetzt erfüllt: Strahlende Kinderaugen so weit man sehen konnte.

Die ehrenamtlichen Quadfahrer hatten teilweise weite Anreisen auf sich genommen für diese Veranstaltung und waren bereit auch noch viele weitere Touren zu fahren. Die Kinder mit Behinderungen konnten auf einem Quad für drei Personen von den Eltern sicher gehalten werden.

Nach so viel Adrenalin konnten sich alle beim Grillen und dem großen Buffet stärken. Die Eltern konnten sich untereinander austauschen und die Kinder am Spielplatz und im Wald toben.

Von den Quadfahrern erhielten die Kinder eine Urkunde und dürfen sich nach erfolgreich absolvierter Soziusfahrt jetzt Quadkind nennen. Für einige der Kinder hatte sich hier ein Traum erfüllt.

Gemeinsam stark ist ein Angebot des Bunten Kreises Villingen für Geschwister von chronisch kranken oder behinderten Kindern. Unter der Leitung von Andrea Chlup trifft sich die Gruppe monatlich im Fidelisheim.


22.1.19 Geschwister können zu kurz kommen

Geben Geschwistern dringend benötigte Zuwendung (von links): Amely Obergfell und Sebastian Pietsch von Kidi, Andrea Chlup vom Bunten Kreis, Vanessa Noce von Sternschnuppe mit Klaus Peter Karger vom Guckloch.
Foto: Robold
Foto: Schwarzwälder Bote

VS-Villingen. Der Film ­“Unzertrennlich“, den das Kommunale Kino Guckloch am Sonntagnachmittag zeigte, befasst sich mit der speziellen Lebenssituation von Geschwistern behinderter oder schwerkranker Kinder.

Es wurde deutlich, dass die Geschwister neben dem bedürftigen kranken Kind oft zu kurz kommen. Um die Eltern zu entlasten, verhalten sie sich im Familienalltag unauffällig, oft mit viel Geduld oder übernehmen teilweise sogar die Elternrolle. Kaum eines dieser Kinder kann unbekümmert die Aufmerksamkeit beanspruchen, die es selber benötigt, so der Film.

Der Film als Kooperationsprojekt mit dem Bundesverband Kinderhospiz Lenzkirch und drei hiesigen Institutionen war gut besucht: Im vollen Saal saßen neben allgemein Interessierten auch viel Fachpersonal und sogar einige betroffene Familien und Geschwister. Vanessa Noce (Projektleitung Kinder- und Jugendhospiz Sternschnuppe und Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst), Andrea Chlup (Bunter Kreis – Leben geben) und Sebastian Pietsch (Kidi – häusliche Kinderkranken- und Intensivpflege) als Vertreter der drei anwesenden Institutionen, die sich um Familien mit behinderten oder schwerkranken Kindern kümmern, gaben nach dem Film Erläuterungen zu ihrer Arbeit und stellten sich den Fragen der Zuschauer. Dabei wurde deutlich, dass sie die im Film geschilderte Problematik aus eigener Anschauung kennen. Sie bestätigteten, wie wichtig es ist, diesen im Schatten des kranken Kindes stehenden Geschwistern Aufmerksamkeit und Zuwendung zu geben. Nur eine der Institutionen wird voll von den Kassen bezahlt (Kidi), die anderen sind entweder durch eine Stiftung finanziert (Bunter Kreis) oder großenteils auf Spenden angewiesen (Sternschnuppe und Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst).


26.6.18 Lama-Trekking mit Alois und Co

Die Kinder des Geschwisterprojekts des Bunten Kreises führen die Lamas durch die Landschaft.
Foto: Chlup
Foto: Schwarzwälde Bote

VS-Villingen. „Mama, kann ich Geld kriegen, um das Lama zu kaufen? Ich kriege es für 100 000 Euro, der Strick ist dann schon dabei.“ So begeistert klangen Kinder nach einem Lamatrekking in Bräunlingen, dass sie glatt alles geboten hätten, um diesen Spaß noch zu verlängern.

Es sind Kinder, die mit ihren Familien an einem Ausflugstag des Geschwisterprojekts – Gemeinsam stark – des Bunten Kreises teilnahmen. Die Geländespieler Ralf Moßbrugger und Marcus Ewald hatten auf ihrem Platz in Bräunlingen bereits Spiele aufgebaut und hießen alle Teilnehmer des Familiennachmittags willkommen. Das Besondere für die Kinder war das Lamatrekking mit den Tieren Alois, Emil, Karl und Fridolin. Während ein Teil der Gruppe Gaudi bei den Geländespielen und bei den Streichelziegen hatte, durfte die andere Gruppe die Lamas durch die grüne Landschaft rund um Bräunlingen führen. Vom kleinsten Geschwisterkind bis zu den Eltern hatten alle große Freude am nahen Tierkontakt mit den herzigen Lamas. Manch ein Lama war ganz schön störrisch oder hungrig und musste vom Fressen abgehalten werden, was die Kinder herausforderte, klare Signale und Körpersprache zu senden.

Die Eltern kamen beim Spaziergang miteinander ins Gespräch und konnten sich näher kennen lernen. Anschließend wurde die Grillstelle angeheizt. So konnte der Abend beim gemütlichen Essen und einer Siegerehrung für die Spiele ausklingen.

Unter Leitung von Andrea Chlup treffen sich die Geschwisterkinder einmal monatlich am Samstag im Fidelisheim in Villingen. Teilnehmen dürfen Kinder ab sechs Jahren mit einem behinderten oder chronisch kranken Geschwisterkind. Das Angebot ist kostenfrei.


27.2.18 Geschwister sind hier ganz wichtig

Ein neues Angebot in VS-Villingen wendet sich an Brüder und Schwestern kranker Kinder.

„Gemeinsam stark im Bunten Kreis“ heißt das Programm, das sich an Geschwister kranker Kinder wendet. Bilder: Bunter Kreis | Bild: Bunter Kreis e.V.

Villingen-Schwenningen – Häufig geht es ganz schnell: Nach einer Frühgeburt oder schweren Erkrankung des Kindes verlagert sich das Familienleben in Arztzimmer und Krankenhausstationen. Ungewissheiten, immer neue Diagnosen und Behandlungen werden zu neuen Familienmitgliedern und bringen große Belastungen mit sich. Auch die gesunden Geschwisterkinder müssen die Last der Erkrankung mittragen. Sie machen oft die Erfahrung, sich mit ihren Bedürfnissen hintan stellen zu müssen und sich auf den Tagesablauf des kranken Geschwisters einzustellen.

In Villingen-Schwenningen gibt es für diese Kinder nun ein Angebot durch den Verein Bunter Kreis – Leben geben. Dieser ist offizieller Träger für die familienorientierte sozialmedizinische Nachsorge für Frühgeborene, chronisch kranke Kinder, Jugendliche und ihrer Angehörigen, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Vorsitzende Werner Rosendahl erklärt: „Seit 2008 besteht das Hilfeangebot für Familien mit Frühgeborenen, für Kindern mit angeborenen Fehlbildungen, Stoffwechselstörungen, nach akuten schweren Erkrankungen oder schweren Unfällen. Nun konnte der Verein das Programm „Gemeinsam stark im Bunten Kreis“ initiieren mit dem Ziel, ein beständiges therapeutisches Hilfsangebot für Geschwisterkinder in der Region zu etablieren. Seit Dezember findet samstags einmal im Monat ein Geschwisternachmittag im Fidelisheim in VS-Villingen statt. Die Gruppe der gesunden Geschwisterkinder besteht momentan aus sechs Kindern im Alter von sechs bis acht Jahren.

Zur Konzeption und Organsiation des Projekts wurde die Diplom-Heilpädagogin Andrea Chlup beim Bunten Kreis angestellt. Sie bringt durch die Tätigkeit in der Nachsorgeklinik Tannheim langjährige Erfahrung in der familienorientierten Beratung und Betreuung mit. Als Unterstützung für die Treffen konnte die Erzieherin Anna Preiser aus Schwenningen gewonnen werden. Dahinter steht ein interdisziplinäres Mitarbeiterteam, um Kindern und ihren Familien in kritischen Phasen umfassende und familienorientierte Hilfe im medizinischen, psychologischen und spirituellen Bereich zu bieten.

An den Gruppennachmittagen können die Kinder sich untereinander in geschützter Umgebung mit ihrer besonderen Situation auseinandersetzen. Belastende Themen haben dabei ebenso Platz wie der Spaß am Miteinander. Manchmal verschmelzen beide Ebenen auch miteinander: „Wenn wir unterwegs sind, werden wir häufig von Leuten angestarrt, weil mein Bruder eine Behinderung hat“, berichtet ein Kind auf die Frage, was sie besonders belastet. Die anderen kennen diese Situation. Gemeinsam werden sie sich schnell einig, dass sie einen „Anti-Glotz-Club“ gründen wollen und unbedingt T-Shirts mit diesem Aufdruck brauchen. Durchweg wird klar: Den Kindern ist es wichtig, mit ihren Bedürfnissen, Ideen und Gefühlen wahrgenommen zu werden. Wichtig ist es den Kindern deshalb auch, dass Spiele nach ihren Regeln gespielt werden: „Jetzt bin ich mal dran und bestimme“, erklärt ein Mädchen.

Ein fester Bestandteil der Treffen sind kleine Inszenierungen zu Geschichten. Das Verkleiden, Kulissengestalten mit Stoffbahnen und in verschiedene Rollen schlüpfen ist für die Kinder das Schönste. Mit rotglühenden Wangen verabschiedet sich ein Mädchen bei Andrea Chlup: „Die Bärenjagd hat so viel Spaß gemacht.“

Das Programm wurde in Anlehnung an das von der Stiftung Familienbande entwickelte Programm „Geschwister chronisch kranker und behinderter Kinder im Fokus“ und dem Programm „Geschwister stärken“ des Geschwister-Netzwerks konzipiert. Die Kosten werden ganz überwiegend durch Spenden der Hildegard-und-Katharine-Hermle-Stiftung getragen. Die Gruppe ist offen für weitere Geschwisterkinder im Alter von sechs bis 16 Jahren.

Quelle: Südkurier